Kunst und Memes
Früher wie heute. Kunst ist eine Form der Artikulation, der Verarbeitung, der Reflexion und auch der Kritik an der Gesellschaft. Man spricht von der Kunst zu leben, von der Möglichkeiten sich durch feste Strukturen und vorgegebene Rahmen zu bewegen. Der Duden definiert Kunst u.a. als „schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt“. Das beutetet alles und nichts. Gleichzeitig ist es auch nicht wichtig, wie genau Kunst definiert ist, wenn es doch viel mehr darum geht, zu betrachten, wie sich die Kunst gewandelt hat, wie Kunst als Material genutzt wird, um neue Kunst zu schaffen und somit auch mit dem Geist der Zeit zu gehen, ohne die Vergangenheit und seine Wurzeln zu vergessen.
Es gibt übrigens heutzutage durch die technische Entwicklung noch viel mehr Möglichkeiten, sich künstlerisch auszuleben: Wir brauchen nicht mehr nur Ton, Pinsel und Farbe, sondern haben inzwischen auch Code, Strom und Pixel. Der Bereich des Creative Codings spielt genau mit den neuen Möglichkeiten und dem Einsatz von Technik und neuen Formen der Kunst. Dabei wird Code nicht wie ursprünglich klassisch funktionell genutzt, sonder durch schöpferische und ausdrucksvolle Art neu inszeniert. Falls euch interessiert, wie so etwas funktionieren kann, gibt es hier die Möglichkeit mal ein Projekt als Beispiel zu betrachten. Obwohl man festhalten muss, dass die Möglichkeiten und Projekte so vielfältig wie in der analogen Kunstwelt sind. So wie beim Creative Coding sich der Einsatz und somit auch die Bedeutung des Codes verändert, wollen wir uns den Bedeutungswandel der klassischen Kunstwerke zu satirisch, kritisch, unterhaltsamen Kunstwerk-Memes angucken. Weiter geht’s mit Memes und Kunstwerken.
In der Schulzeit haben wir uns als Schüler:innen oft gefragt, warum wir so alte Gedichte oder Lektüren lesen, mit Begriffen und vor allem Inhalten aus einer ganz anderen Zeit. All die unterschiedlichen Epochen, die wir lernen mussten, hatten für uns doch eigentlich keinerlei Bedeutung oder einen Sinn – wir mussten schließlich erst einmal den Geist der Zeit lernen, den geschichtlichen Kontext verstehen, um dann überhaupt ansatzweise begreifen zu können, was das Gedicht, die Geschichte oder das Bild uns eigentlich sagen will bzw. sagen könnte. Doch die Kunst und auch die Gesellschaft wandelt sich – es gibt inzwischen viele Wissenschaftler:innen, die sich darüber Gedanken machen, wie Gesellschaft gedacht wurde und heutzutage gedacht werden kann.
Wir reden von Generation X,Y, Z, von Baby Boomern oder im Alltag – ganz unwissenschaftlich – aktuell von der Generation Smartphone. Das ehemalige Handy ist inzwischen ein hochkomplexer Computer und ständig bei uns – allgegenwärtig und mit ihm die Enzyklopädie, die Kamera, das Radio, das Notizbuch, die Brieftaube und auch der Fernseher, um nur einige Fähigkeiten des Minicomputers auszuzählen. Durch die Digitalisierung ist es zu einer neuen Welt, der digitalen Welt gekommen, in der alles was wir analog kannten, digital anders, besser, ständig abrufbar ist. Die Digitalisierung hat alle Bereiche unseres Lebens verändert, bevor wir zum Arzt gehen, wird Google gefragt, welche Krankheit wir haben könnten, bevor wir den Moment genießen, wird die Handykamera rausgeholt und der Moment digital festgehalten und der Augenblick durch das Handy wahrgenommen. Die Bilder, die wir aufnehmen, werden kommentiert und entweder auf Social-Media-Kanälen hochgeladen oder Freunden per DirectMessage gesendet. Unsere Kommunikation, Interaktion und auch unsere Artikulation ändern sich durch die technisch digitalen Möglichkeiten. Und genau da sind wir bei unserem Thema: Memes und Kunst.
Like many Web 2.0 Applications, memes diffuse from a person to person, but shape and reflect general social mindsets.
Übersetzt beutetet das Zitat, dass Memes von Person zu Person unterschiedlich sind, insgesamt aber die Allgemeinen sozialen Denkweisen wiederspiegeln und prägen. Wenn man den ersten Teil des Satzes streicht, kann an die Stelle des Wort Memes auch problemlos der Begriff des Kunstwerks gesetzt werden. Denn – Achtung, Behauptung! – Memes sind die Kunstwerke der Neuzeit und der Digitalität. Beziehungsweise gehören sie zu einer neuen Epoche der Kunstgeschichte. Allerdings gibt es viele mögliche Blickwinkel mit denen das Internetphänomen Memes betrachten werden kann. Neben der Frage, ob Memes eine eigene Kunstepoche darstellen, gibt es auch die Frage, wie es Memes schaffen, klassische Kunstwerke neu aufzubereiten. Der Medienphilosoph Walter Benjamin (1935) hat sich Jahrzehnte vor dem aktuellen Memedurchbruch mit den Folgen der technischen Reproduzierbarkeit in Bezug auf das Kunstwerk auseinander gesetzt. Eine seiner zentralen Thesen ist, dass durch die Vervielfältigung das originale Kunstwerk seine Aura verliert. Bei Memes stellen sich zwei zentrale Betrachtungsmöglichkeiten: einerseits von Memes als Kunstwerk, andererseits von Memes, die Kunstwerken neues Leben verleihen. Mit dieser Paradoxie haben wir uns beschäftigt und wollen einige Überlegungen auf dieser Seite mir euch teilen und ein Gefühl für die neuzeitige Meme-Kultur vor dem Hintergrund der Thesen des Medienphilosophs Walter Benjamin vermitteln. Dabei wollen wir praktisch und mit eurer Hilfe zeigen, dass der „Verlust der Aura”, gleichzeitig einen Gewinn darstellen kann. Dabei fokussieren wir uns speziell auf die Darstellung von Kunstwerken, die als Memes verarbeitet worden sind und stellen folgende Frage: Inwiefern geht in künstlichen Settings bei der Gestaltung von Kunstwerken als Internet-Memes die Aura des Kunstwerks verloren? Bei der Bearbeitung werden wir zunächst die Analogie zwischen Memes und Kunstwerken herausarbeiten, um daraufhin an Hand der jeweiligen Ziele, Aussagen über die Wirkungen und kulturelle Bedeutung herzustellen. Dabei seid ihr gefragt! Wir wollen eure selbst-generierten Memes exemplarisch analysieren, eure Ideen und Erfahrungen nutzen, um Walter Benjamins Theorie mit Leben zu füllen.